Rosbach-Rodheim 10/2026 November 2026

2 das Schubladensystem her- vorragend. Wer anderer Mei- nung ist, wird zunächst einer bestimmten Richtung zuge- ordnet. Anschließend erklärt man ihm, was er angeblich alles denkt, obwohl er davon selbst noch gar nichts wusste. Das spart Zeit. Zuhören ist schließlich anstrengend. Und womöglich müsste man am Ende sogar zugeben, dass der andere in einem Punkt recht hat. Wo kämen wir denn da hin? Und weil wir gerade im Herbst sind: Die Schubladen werden jetzt besonders gründlich sortiert. Wer im November schon Weihnachtsbeleuch- tung aufhängt, hat angeblich die Kontrolle über sein Leben verloren. Wer bis zum 23. De- zember wartet, ist schlecht organisiert. Die einen freuen sich seit September auf Lebkuchen. Die anderen regen sich seit September darüber auf, dass sich die einen auf Lebkuchen freuen und die Supermärkte bereits ihre Regale damit voll- gestopft haben. Ich persönlich finde das auch viel zu früh. Was mich selbstverständlich nicht da- von abhält, trotzdem schon eine Packung Lebkuchen zu kaufen. Und die Kinder freu- en sich über die Schokolollis. Man muss schließlich nicht jede Überzeugung bis zum Äußersten verteidigen. Man kann sich offenbar sogar über die Vorfreude anderer Menschen ärgern. Genauso finde ich, dass jeder seine Weihnachtsdekoration aufhängen dürfen sollte, wann er möchte. Bei mir wird die Beleuchtung allerdings erst nach dem Totensonntag ein- geschaltet. Man hat ja schließ- lich Prinzipien. Zumindest so lange, bis die Kinder fragen, warum beim Nachbarn schon alles leuchtet. Und solange der Nachbar nicht morgens um sechs „Last Christmas“ in Konzertlautstär- ke abspielt, ist ohnehin alles in Ordnung. Wobei ich zugeben muss, dass auch ich meine Schub- laden habe. Wenn jemand im Supermarkt mit einem Ein- kaufswagen quer vor dem Regal steht und seelenruhig telefoniert, halte ich ihn spon- tan für einen Menschen, der grundsätzlich wenig Rück- sicht nimmt. Schubladendenken – passt schon! die gerade über einen urteilen. Kinder sind da wenigs- tens noch ehrlich. „Der ist doof.“ „Warum?“ „Weil er meinen Ball ge- nommen hat.“ Immerhin. Ein konkreter Vorwurf. Bei Erwach- senen hätte man vermutlich zunächst drei WhatsApp- Gruppen gegründet, um die charakterlichen Auffälligkeiten des Ballbesitzers zu analysie- ren. Überhaupt sind WhatsApp- Gruppen inzwischen ein hervorragendes Instrument zur Meinungsbildung. Einer schreibt: „Kommt euch der auch komisch vor?“ Und schon beginnt eine Diskus- sion, an deren Ende jemand, der eigentlich nur etwas stiller war, vermutlich als internati- onal gesuchter Hochstapler durchgeht. Besonders beliebt sind auch Menschen, die grundsätzlich alles besser wissen. Die er- kennen schon am Gesichts- ausdruck, ob jemand ehrlich ist. Am Händedruck, ob er zu- verlässig ist. Und an der Art, wie jemand sein Handy hält, wahrscheinlich sogar dessen Steuerklasse. Erstaunlich, dass solche Menschen noch nicht bei der Kriminalpolizei arbeiten. Ver- mutlich wären sämtliche Fälle nach einem kurzen Blick auf die Verdächtigen gelöst. Man könnte sich sämtliche Bewerbungsgespräche spa- ren. „Sie tragen Lila? Tut mir leid, die Stelle ist bereits verge- ben.“ Natürlich gibt es Menschen, die tatsächlich falsch spielen. Die freundlich lächeln und hin- ter dem Rücken das Gegenteil erzählen. Nur erkennt man sie leider nicht an der Pullover- farbe. Und auch nicht daran, dass drei andere Menschen sie unsympathisch finden. Manchmal ist es nämlich gar nicht der Neue, der ein Problem hat. Sondern die Alteingesessenen, die plötz- lich feststellen, dass sich jemand nicht an ihre un- sichtbare Sitzordnung hält. Auch in der Politik funktioniert Fortsetzung von Seite 1 ... modische Naturgesetze. Männer, die im Alltag niemals freiwillig eine knallrote Hose mit einem quietschgrünen Po- loshirt kombinieren würden, laufen plötzlich herum wie ein Papagei auf Betriebsausflug. Und das Erstaunliche: Alle fin- den es völlig normal. Manche sogar ausgesprochen schick. Wahrscheinlich muss man nur einen Golfschläger in der Hand halten, damit aus einer Geschmacksverirrung ein sportliches Outfit wird. Besonders interessant wird es, wenn Menschen neu in eine bestehende Gemein- schaft kommen. Im Verein, am Arbeitsplatz, auf dem Golf- platz oder im Freundeskreis. Kaum hat jemand dreimal den Raum betreten, steht die erste Charakteranalyse. „Die ist irgendwie falsch.“ Aha. Und woran erkennt man das? „Das merkt man doch.“ Natürlich. Eine wissenschaft- lich absolut wasserdichte Be- gründung. Noch schöner ist der Satz: „Ich will ja nichts gegen sie sagen, aber …“ Was danach kommt, ist er- staunlicherweise selten ein Kompliment. Eigentlich müss- te man diesen Satz gesetzlich als Einleitung zur üblen Nach- rede anerkennen. Immerhin wird die Absicht freundlicher- weise gleich mitgeliefert. Dabei ist es faszinierend, wie unterschiedlich ein und das- selbe Verhalten bewertet wird. Ist jemand freundlich, will er sich einschmeicheln. Ist er zurückhaltend, hält er sich für etwas Besseres. Redet er viel, sucht er Aufmerksamkeit. Re- det er wenig, hat er offenbar etwas zu verbergen. Die Kunst besteht darin, sich genau richtig zu verhalten. Wie das geht, weiß allerdings niemand. Außer denjenigen, Vielleicht rettet er gerade tele- fonisch eine Ehe. Vielleicht or- ganisiert er eine lebenswichti- ge Operation. Vielleicht fragt er aber auch nur, ob noch Butter im Kühlschrank ist. Ich weiß es nicht. Aber meine Meinung steht bereits fest. Das ist ja das Praktische an Vorurteilen: Man braucht er- staunlich wenig Informationen, um erstaunlich überzeugt zu sein. Vielleicht sollten wir uns des- halb gelegentlich daran erin- nern, dass Menschen ein biss- chen komplizierter sind als ihre Kleidung, ihre Hobbys oder die Meinung anderer. Nicht jeder freundlicheMensch verfolgt einen Plan. Nicht je- der stille Mensch ist arrogant. Nicht jeder mit einemSportwa- gen hat ein Problem. Und nicht jede Frau in Lila ist unbefriedigt. Manche mögen einfach die Farbe. Und falls Sie jetzt überlegen, was Ihre Mitmenschen wohl über Sie denken: Machen Sie sich keine Sorgen. Irgendje- mand hat Sie längst in eine Schublade gesteckt. Die gute Nachricht: Sie müs- sen nicht hineinpassen. Die schlechte: Die anderen werden es trotzdem behaup- ten. Und sollten Sie demnächst ei- nem Mann in knallroter Hose und quietschgrünem Poloshirt begegnen, urteilen Sie bitte nicht vorschnell. Vielleicht ist er einfach nur Gol- fer. Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihr Monatsjournal S teinbock (22.12.-20.01.) Manches entwickelt sich nicht so wie geplant, da jemand seine Versprechungen nicht eingehalten hat. Finden Sie heraus, warum das so ist. W assermann (21.01.-19.02.) Eine ärgerliche An- gelegenheit lässt sich glück- licherweise abschließend klä- ren. Ihre Laune steigt. Machen Sie es sich mit Ihrem Partner gemütlich. F ische (20.02.-20.03.) Eine vorwiegend angenehme Zeit liegt vor Ih- nen. Sie verbringen fröhliche Stunden mit netten Leuten und sind auch im Berufsleben recht kreativ. W idder (21.03.-20.04.) Sie wissen genau, was Sie wollen, und mit Un- terstützung der Sterne wer- den Sie manches schneller schaffen, als in Ihren kühnsten Träumen gedacht. S tier (21.04.-20.05.) Sie haben Ihr Ziel mit großem Vorsprung erreicht und sind doch nicht zufrieden: Ist Ihnen der Erfolg viel zu leicht in den Schoß gefallen? Z willinge (21.05.-21.06.) Zeigen Sie Geduld und Toleranz: Sie sind derzeit unerlässlich, damit die Harmo- nie im zwischenmenschlichen Bereich nicht gestört wird. K rebs (22.06.-22.07.) Setzen Sie sich nicht schon wieder unter Druck: Schnelligkeit ist nicht alles, Beharrlichkeit zahlt sich dage- gen schon bald aus. L öwe (23.07.-23.08.) Lassen Sie sich nicht verunsichern: Folgen Sie Ihrem Instinkt und nicht den scheinbar klugen Ratschlägen selbsternannter Experten. J ungfrau (24.08.-23.09.) Ihre Partnerschaft ist leider etwas zu kurz ge- kommen. Das Wochenende kommt gerade recht, um sich ausgiebig Herzensangelegen- heiten zu widmen. W aage (24.09.-23.10.) Zeigen Sie Ihre Flexi- bilität. Ihnen fällt es leicht, sich veränderten Situationen anzu- passen. Helfen Sie jenen, de- nen das nicht so gut gelingt. S korpion (24.10.-22.11.) Gemeinsam mit anderen haben Sie Ihre Auf- gaben erledigt, sodass Sie Freizeit haben. Die sollten Sie aber nicht wieder mit neuer Arbeit füllen. S chütze (23.11.-21.12.) Im Kollegenkreis gibt es Unruhe wegen deutlicher Cliquenwirtschaft! Den Geg- nern sollten Sie schnell den Wind aus den Segeln neh- men. Die Horoskop-Ecke Anzeige aufgeben – Informationen unter: Telefon 06187 9946-199 · WhatsApp 0170 4011871 redaktion@monatsjournal.de

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